Georg Büchner und die große Französischen Revolution
Zeichnungen und Radierungen von Alfred Hrdlička
In Darmstadt gibt es Kunstwerke, die den wenigsten bekannt sind. Zwölf Pastelle des Künstlers Alfred Hrdlička zu Georg Büchners Texten hängen ständig im Hessischen Landessozialgericht in Darmstadt, nur kaum jemand weiß es.
Vor 20 Jahren wurden die Zeichnungen für das Gerichtsgebäude in Auftrag gegeben, erzählt Harald Klein, Präsident des Hessischen Landessozialgerichtes: "Für dieses Gerichtsgebäude hat Hrdlička zwölf Auftragsarbeiten, zwölf Zeichnungen, zu Themen von Georg Büchner und eine Büchner-Büste angefertigt."
Der zweite Grund für die Ausstellung sei, dass Hrdlička in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden ist. Er habe damals zur gleichen Zeit an diesem Radierungszyklus gearbeitet zur Französischen Revolution, und den habe man jetzt bekommen können und stelle beides zusammen aus, so Klein.
Hrdličkas Skulpturen im öffentlichen Raum haben immer wieder provoziert. In Darmstadt verursachten vor 20 Jahren auch seine Bilder zu den Büchner-Texten einen Aufruhr. Wer damals nicht genauer hinsah, urteilte sie schnell als Pornografie ab. "Weil er eben sehr drastisch zuspitzt, die Sexualität, die Triebhaftigkeit des Menschen darstellt. Das ist bei vielen zunächst auf wenig Verständnis gestoßen - zumal das ganze in einem Gerichtsgebäude ausgestellt wurde. Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet und wir sind sehr sehr froh, dass wir diese Arbeiten hier haben und wollen die auch der Öffentlichkeit zeigen", erklärt Harald Klein.
Hrdličkas Vater war ein Gewerkschaftsfunktionär und Kommunist, er wurde mehrmals verhaftet und zur Zwangsarbeit in einer Strafkompanie der Organisation Todt verurteilt. Bereits als Fünfjähriger verteilte Hrdlička mit seinem Vater 1933 Flugblätter im Arbeiterbezirk Wien-Floridsdorf, seine erste Hausdurchsuchung, bei der er auch von der Polizei verprügelt wurde, erlebte er mit sechs Jahren. Hrdličkas älterer Bruder starb 1943 als Soldat in der besetzten Sowjetunion vor Leningrad. Hrdlička selbst entzog sich 1944 dem Kriegsdienst, indem er wie sein Vater in der Illegalität lebte. Bei einem befreundeten Zahntechniker konnte er eine zweieinhalbjährige Lehre machen.
Hrdlička studierte von 1946 bis 1952 Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Wien bei Albert Paris Gütersloh und Josef Dobrowsky. Danach nahm er 1953 - 1957 ein Studium der Bildhauerei an der gleichen Akademie bei Fritz Wotruba auf. 1960 hatte er zusammen mit Fritz Martinez seine erste Ausstellung „Skulptur, Malerei und Grafik“ in der Wiener Zedlitzhalle. 1964 erlangte er internationale Bekanntheit, als er gemeinsam mit Herbert Boeckl Österreich auf der 32. Biennale in Venedig vertrat.
Hrdlička erlebt 1966 erstmals die Welt psychisch kranker Menschen. Er wird von diesen Begegnungen dermaßen nachhaltig beeindruckt, dass er sich mit dem Leid dieser Menschen, später mit Leid, Angst, Schmerz und der Bedrohung des Menschen schlechthin, künstlerisch auseinandersetzt. Der Künstler reflektiert und arbeitet in seinen Werken politisch sehr bewusst, er rüttelt mit seinen Ausdrucksmitteln an den Machtverhältnissen dieser Welt. Die Unterdrückung kleiner Leute, das künstlerische Nachzeichnen ihrer bedrückenden Lebensverhältnisse, Macht und Ohnmacht in der Geschichte und in der Jetztzeit sind Themen seiner künstlerischen Arbeiten.
Hrdlička dehnt seine Themenbereiche weiter aus; Krieg, Gewalt und Faschismus sind die dunklen Seiten menschlichen Handelns, gegen die er bewusst mit seinen Mitteln der Kunst politisch agitieren will. Der Künstler wurde zum überzeugten Marxisten, der er auch bei allen Widerständen, die ihm entgegen gebracht wurden, blieb. Sein künstlerischer kategorischer Imperativ war und ist es, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, geknechtetes, verlassenes, verächtliches Wesen ist“ (Karl Marx).
Vom 5. August 2008 bis 31. Oktober 2008 werden - im Rahmen des Kultursommers Südhessen - Zeichnungen und Radierungen von Alfred Hrdlicka zu Georg Büchner und der großen Französischen Revolution im Hessischen Landessozialgericht ausgestellt.
Die Eröffnung der Ausstellung findet am 5. August 2008 um 18 Uhr statt.
Öffnungszeiten: Montags bis freitags 9 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.
last modified 06.08.2008 21:29