Das Geld - Von den vielgepriesenen Leistungen des schnöden Mammons
Einige Wahrheiten, Ware, Geld und Kapital betreffend
Geld muss man nicht erklären, man muss es haben; das versteht sich von selbst für lebenskluge Zeitgenossen. Wenn es am Geld für sie etwas zu erklären gibt, dann, wie man am besten an möglichst viel davon herankommt.
Das ist fatal. Denn wer dem unausweichlichen Zwang, Geld zu verdienen, nur die Ermunterung entnimmt, ihm möglichst erfolgreich nachzukommen, der bleibt nicht nur in ein Zwangsystem der gesellschaftlichen Arbeitsteilung verstrickt, das ihm nicht wenig Sorgen aufnötigt. Der macht außerdem den Fehler, sich dazu begriffslos affirmativ zu stellen. Da helfen dann auch kein Ärger und keine Beschwerden mehr über den Stress beim Geldverdienen, das wenig zufrieden stellende Resultat, die hohen Preise, und überhaupt das wenige Geld hier und den vielen Reichtum dort. Wer nicht immer nur nutzlos über die Sorgen mit dem Geld und seine ungerechte Verteilung klagen will, der sollte sich lieber das Geld, das durchaus nicht zum Nutzen der großen Mehrheit das Handeln, Trachten und Denken der Insassen der globalen Marktwirtschaft beherrscht, erklären.
Die einschlägige Volkswirtschaftslehre hilft da wenig. Die steht auf dem Standpunkt, ‚unserer Wirtschaft’, die alles Produzieren und Konsumieren dem Sachzwang des Geldverdienens unterwirft, sei ihr quasi selbsttätiges Funktionieren hoch anzurechnen. Marx hat dagegen in seiner Kritik der politischen Ökonomie, nicht bestritten, dass die kapitalistische Wirtschaft funktioniert; er hat das bloß nicht für einen Grund gehalten, sich die Überlegung zu ersparen, was da funktioniert. Dass ihm dann die Untersuchung von Ware, Geld und Kapital zur Kritik dieser Form des Reichtums geraten ist, liegt am Gegenstand: daran, dass das Geld ein gesellschaftliches Gewaltverhältnis vergegenständlicht, dem die gesellschaftliche Arbeit unterworfen ist. Marx hat sich weder durch verantwortungsvolle Voreingenommenheit für seinen Gegenstand noch durch erkenntnistheoretische Bedenklichkeiten, ob und wie die Enträtselung dieses ‚Fetischs’ der bürgerlichen Welt überhaupt gelingen könnte, von der Analyse des Geldes und der mit ihm gültig gemachten ganz und gar nicht vernünftigen ökonomischen Sachnotwendigkeiten abhalten lassen.
Mit solchen methodischen Bedenklichkeiten haben sich aber viele Linke beschäftigt, die bei Marx Aufklärung über den gesellschaftlichen Zwangszusammenhang des Geldes gesucht haben, an dem die marktwirtschaftlich hergerichtete Menschheit laboriert. Sie haben beim Studium von Marx glatt aus den Augen verloren, dass es der allgemein bekannte Alltag des kapitalistischen Getriebes ist, von dem das ‚Kapital’ handelt, und dass an dem kein gutes Haar bleibt, wenn man die Geldverhältnisse unvoreingenommen analysiert und nicht wohlwollend danach beurteilt, was man sich alles kaufen kann, falls das Geld reicht.
Die Veranstaltung will dieser Einsicht wieder auf die Sprünge helfen, gegen den guten Ruf des Geldes polemisieren und – auch ohne laufende Berufung auf Marx – nachweisen, dass dessen fundamentale Einwände gegen die moderne ‚Geldwirtschaft’ in Zeiten von ‚rheinischem Kapitalismus’ und ‚Neoliberalismus’ keineswegs veraltet sind. Sie geht aus von jedermann geläufigen Erfahrungen mit dem alles beherrschenden Geld sowie von alltäglichen Ideologien über den Nutzen dieses allgemein begehrten Guts und über die Herausforderungen, die es für Gesellschaft und Staat so mit sich bringt. Denen will sie auf den Grund gehen und aufklären über das Geldverdienen und das Geldvermehren samt den höheren Sphären des Finanzwesens, das uns allen bekanntlich viel mehr Anlass zu teilnehmenden Sorgen gibt als die unübersehbaren sozialen Konsequenzen des alltäglichen Geldverdienens. Dabei kommt auch die Rolle der Staatsgewalt bei der Durchsetzung des alles andere als selbstverständlichen und vernünftigen im Geld ‚verdinglichten’ gesellschaftlichen Zusammenhangs nicht zu kurz.
| Termin | 24.10.2007 00:30 |
|---|---|
| Veranstalter | Kritische Studenten Darmstadt, Gegenstandpunkt Verlag |
| Ort |
Altes Hauptgebäude der TU-Darmstadt
Gebäude S103 (Hochschulstraße 1), Raum 109 |
| Veranstaltungs-Art | Informationsveranstaltung |
| Kontakt | gruppe2d@web.de |
| Link | http://2d.blogsport.de |
last modified 01.10.2007 23:31