"Brandmale - Die Bombennacht in Darmstadt"
Filmvorführung und Diskussion mit dem Autor Christian Gropper
Filmvorführung im Vorfeld der Anti-Nazi-Blockade in Dresden. Der Autor des Films Christian Gropper ist anwesend und wird nach der Vorführung mit dem Publikum über das Thema diskutieren
Zum Film
Am 11. September 1944 kurz vor Mitternacht wird das südhessische Darmstadt aus dem Schlaf gerissen. Als die Sirenen aufheulen, wissen die Bewohner noch nicht, dass dieser Luftalarm völlig anders ausgehen wird, als die unzähligen Male zuvor. In einem bis dahin noch nie ausgeführten Fächerangriff überfliegen mehrere hundert viermotorige Bomber die Stadt und werfen neben vielen Luftminen und Sprengbomben 300.000 Brandbomben ab.
Innerhalb einer halben Stunde brennt die ganze Stadt. 12000 Menschen kommen bei diesem Angriff ums Leben und 80% der Bevölkerung verlieren in dieser Nacht alles, was sie besessen hatten. Trotzdem hält „die Heimatfront“ auch in Darmstadt. Auch hier jubeln die Menschen weiterhin „ihrem Führer“ zu und sehen den sich abzeichnenden Sieg der Alliierten nicht als Befreiung, sondern als Niederlage. Gleich am nächsten Tag beginnen die Aufräumungsarbeiten. Überall werden Leichen geborgen und Tonnen von Schutt abtransportiert.
Tausende Darmstädter werden evakuiert und können oft erst Jahre nach dem Krieg in ihre Heimatstadt zurückkehren.
Angriffe von Tieffliegern und der meist nicht sehr willkommene Empfang durch die Landbevölkerung stehen ihnen noch bevor. Erst jetzt, 60 Jahre später, sind viele von ihnen in der Lage, offen über die Geschehnisse von damals zu reden. Über Verlust und schmerzhafte Erinnerungen. Damals blieb zum Trauern meist keine Zeit, schnell holte der Alltag sie wieder ein, unangenehme Fragen wurden beiseite geschoben. Heute dagegen denken sie darüber nach, warum dies alles geschehen war und darüber, ob nicht auch die Bomben von Darmstadt nur eine Folge der Greueltaten waren, die vorher von deutschem Boden ausgingen. Jutta und Christian Gropper haben mit höchst unterschiedlichen Zeitzeugen gesprochen.
Manche von ihnen waren damals noch Kinder. Andere hatten bereits selbst welche. Wieder andere sahen die Zerstörung ihrer Heimatstadt mit sehr gemischten Gefühlen, in die sich zuweilen auch schmerzhafte Genugtuung mischte: Jüdische Darmstädter, die sich gerade noch rechtzeitig vor den Mordplänen ihrer Landsleute in Sicherheit bringen konnten und nach 1945 zurückkamen. In Großbritannien haben die Autoren Zeitzeugen getroffen, die die deutsche Bombardierung ihrer Heimatstadt Coventry überlebt haben. Und sie haben einen britischen Bombernavigator aufgesucht, der sich erst nach dem Krieg bewusst wurde, welche verheerende Wirkung seine Bombenlast auf die unzähligen Menschen unten am Boden hatte.
Darmstadt steht für viele weitere Städte, die im zweiten Weltkrieg ein ähnliches Schicksal erlitten haben. Ob Kassel, Pforzheim, Hamburg oder Dresden. Warschau, Rotterdam oder Coventry.
Der Film Brandmale zeigt, sechzig Jahre nach den Bombenangriffen, was die Folgen eines Krieges ein ganzes Leben lang in den Köpfen und den Herzen der Überlebenden und auch ihrer Nachkommen hinterlassen können.
| Termin | 20.01.2011 19:30 |
|---|---|
| Veranstalter | DIE LINKE. Darmstadt |
| Ort |
LinksTreff Georg Fröba
Landgraf-Philipps-Anlage 32 |
| Veranstaltungs-Art | Filmvorführung |
last modified 07.01.2011 12:49