Ursula Illert liest aus Paula Bubers Roman "Muckensturm"
In "Muckensturm. Ein Jahr im Leben einer kleinen Stadt" beschreibt Paula Buber die Anfänge des Nationalsozialismus in typisch kleinstädtischen Verhältnissen.
"Tagsüber waren, von Kindern umhüpft, Frauen mit riesigen Blechen mit Kuchen von den Backöfen über die Straßen nach Hause gezogen, Büglerinnen trugen steif geplättete Hemden, Schneiderinnen neue Frühjahrskleider zu den Kunden, große Blumensträuße wanderten in die Sakristei zum Altarschmuck, aus den Häusern drang bis tief in die Nacht das Zischen der Bürsten auf den von Seifenlauge überschwemmten Fußböden. Das Schönste an dem Fest und das Feiertäglichste war: die werktäglichen Fahnen wehten nicht mehr wie seit Wochen über den Köpfen, kein Büttel kam und begehrte auf, weil sie fehlten; es war weder Freudentag wegen einer gelungenen Abstimmung, noch Tag des Pferdes, noch Tag der Arbeit, noch Tag der Mutter, noch Geburtstag des Führers, es war bloß Ostern, und für zwei Tage durften die Muckensturmer, ob sie nun Protestanten oder Katholiken waren, hoffen, einfach zu existieren, wie sie gerne mochten."
Im Frühjahr 1938 wanderte die Familie Buber nach Palästina aus. In der Reichspogromnacht am 9. November wurden ihre zurückgelassenen Möbel und Teile der Bibliothek zerstört. Weil sie die Rechnung für den Vandalismus nicht bezahlen konnten, wurde das Haus in der Werléstraße 2 schließlich gepfändet. In den siebziger Jahren sollte es abgerissen werden, um für einen Neubau des Landratsamtes Platz zu schaffen, wurde dann aber unter Denkmalschutz gestellt. Seit 1979 hat der Internationale Rat der Christen und Juden seinen Sitz im Martin-Buber-Haus.
| Termin | 03.11.2006 16:00 — 03.12.2006 19:00 |
|---|---|
| Veranstalter | Literaturland Hessen, Internationalen Rat der Christen und Juden e.V. (ICCJ), Stadt Heppenheim, Kreis Bergstrasse |
| Ort |
Heppenheim
Kurfürstensaal, Heppenheim |
| Veranstaltungs-Art | Lesung |
| Kontakt | Postmaster@Martin-Buber-Haus.de |
last modified 10.01.2007 16:46