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Leberecht vom Knopf - eine hessische Satire

Lesung mit Aaart Veder und Dieter Zeitz

Der Schauspieler Aart Veder und der Schriftsteller Dieter Zeitz erinnern mit einer Lesung an den Autor Wilhelm von Ploennies und an seine zu unrecht vergessene Satire vom „Knopf“.

Der Sohn der Schriftstellerin Luise von Ploennies machte sich zu seiner Zeit als Autor einen Namen. Er schlug zunächst die Militärlaufbahn ein und beteiligte sich unter anderem an der Niederschlagung des Aufstandes der badischen Revolutionäre 1849, wobei er schwer verwundet wurde. Während eines längeren Genesungsaufenthaltes bei seiner Mutter in Jugenheim beschäftigte er sich mit dem Sammeln von Märchen, Volksliedern und Sagen.

Nach der Rückkehr in den Dienst befragte er auch seine Rekruten systematisch. 1851 erschienen „Deutsche Hausmärchen“ und danach Lieder unter dem Titel „Volksgesang im Odenwald“. Daneben verfasste Ploennies volkstümliche Theaterstücke, die er im Odenwald ansiedelte und die von Liebhaberbühnen aufgeführt wurden. Bekannt wurde Ploennies vor allem als Autor militärwissenschaftlicher Publikationen, sein interessantestes Werk ist jedoch eine Militärsatire: Der Roman über das „Leben, Wirken und Ende weiland seiner Exzellenz des Oberfürstlich Winkelkramschen Generals der Infanterie Freiherrn Leberecht vom Knopf. Aus dem Nachlass eines Offiziers herausgegeben durch Dr. med. Ludwig Siegrist“ erschien 1869.

Für ein satirische Werk war der Erscheinungstermin denkbar ungünstig, da die Hessisch-Darmstädter Gesellschaft nach der österreichischen Niederlage gegen Preußen nicht an einer satirischen Aufarbeitung von kleinstaatlichem Militärwesen und bürgerlicher Revolution interessiert war. Auch die karge Aufmachung der Publikation (preußischblauer Einband mit aufmontiertem Militärknopf auf dem Titel) und die Veröffentlichung in einem Militärverlag trugen dazu bei, einen literarischen Erfolg zu verhindern.

Wilhelm von Ploennies beschreibt im „Knopf“ das Leben und den Aufstieg des Leberecht vom Knopf vom Sohn eines Regimentsschneiders zum geadelten General und Oberkommandierenden des Oberfürstentums Winkelkram. Gleichzeitig nimmt der Autor damit auch Stellung zu Staat, Fürstenherrschaft, Militärwesen, Verwaltung und vielen Formen der Kultur. Obwohl manche der auftretenden Personen identifizierbar erscheinen, hat Ploennies offensichtlich nicht versucht, die einzelnen Vertreter der Darmstädter Hofgesellschaft zu karikieren. Vielmehr sind es die reaktionären Zustände von Staat und Gesellschaft, mit denen sich Ploennies auseinandersetzt.

Der Autor starb im gleichen Jahr wie seine Mutter 1872 in Darmstadt. Die Gräber von Luise und Wilhelm von Ploennies befinden sich auf dem Alten Friedhof in Darmstadt, der zur letzten Ruhestätte vieler Dichter und Schriftsteller wurde.

1985 wurde der Roman auf Initiative Herbert Heckmanns in der Publikationsreihe der Gesellschaft Hessischer Literaturfreunde erneut aufgelegt.

Quelle: http://www.hr-online.de/website/specials/literaturland/index.jsp rubrik=22788&key=standard_document_36642156

 

Termin 10.05.2009 16:00
Veranstalter Literaturhaus
Ort Literaturhaus
Kasinostraße 3
Veranstaltungs-Art Lesung

 
last modified 04.05.2009 17:26

Erstellt von Uli Franke mit Plone
Politnetz-Logo by Claudia Lehmann