Sandinos langer Schatten
Dokumentarfilm im Rahmen des Filmfestivals CineLatino 2011
Weitere Vorführung auch am 19.5. um 18:30 Uhr.
Was macht eine Gruppe Deutscher mitten auf einer Baustelle in dem abgelegenen nicaraguanischen Dorf Rancho Grande? Schon lange ist es her, dass internationalistische Solidarität mit Mittelamerika hierzulande Mode war. Doch auch wenn die alten Gewissheiten längst verschwunden sind, die Probleme sind geblieben: Armut, Ungerechtigkeit und eine Welt, gespalten in Arm und Reich.
Deshalb macht sich im Sommer 2008 eine deutsche "Arbeitsbrigade" auf den Weg nach Rancho Grande. 8 Teilnehmer, 6 davon Frauen, mit mehr oder weniger rudimentären Spanischkenntnissen. Sie wollen mehr als die oberflächlichen Begegnungen, die Rucksackreisende oft erleben, sie wollen Solidaritätsarbeit leisten. Drei Wochen lang wohnen sie in den einfachen Holzhäusern der nicaraguanischen Familien und arbeiten zusammen mit den Mitgliedern der Partnerorganisation Movimiento Comunal beim Bau eines Gemeindezentrums mit. Von der Reise versprechen sie sich, die alltäglichen Probleme in Nicaragua hautnah mitzuerleben und ein eigenes Gefühl für das Leben mit Armut zu entwickeln.
Rancho Grande liegt in der Kaffeeregion Matagalpa im Norden Nicaraguas. Das Trinkwasser kommt oft braun aus der Leitung, die sanitären Anlagen bestehen aus einfachen Latrinen. Hierher kommt keine Post, es gibt weder Zeitung noch Internet und das gängigste Fortbewegungsmittel ist das Pferd. Trotz der Veränderungen seit der sandinistischen Revolution 1979 ist die Armut hier immer noch allgegenwärtig. Die wenige Infrastruktur, die vor 1990 gebaut werden konnte, wurde oft gleich wieder zerstört: Die Region lag im Zentrum des Kriegs, den die Contra gegen die sandinistische Regierung und ihre Anhänger führte. Bis heute sind hier Projekte im Gesundheits- und Bildungssektor zumeist abhängig von Geld aus den USA und der EU.
Der Dokumentarfilm zeigt anhand der Reise nach Rancho Grande und der Erlebnisse im Gastland, wie diese Form entwicklungspolitischer Solidaritätsarbeit zum einen die Teilnehmer, ihre Vorstellungen und ihr Handeln verändert und zum anderen, wie sie auf ihre Gastgeber in Nicaragua wirkt.
Aktuelle Probleme, die in Nicaragua auf dem Land seit dem neuerlichen Wahlsieg des einstigen Revolutionsführers Daniel Ortega die Menschen beschäftigen, greift der Film auf, um dem Zuschauer wichtige Aspekte das zweitärmsten Landes Amerikas vorzustellen: eine junge Bevölkerung mit wenig Perspektiven für qualifizierte Ausbildung und Arbeit; emanzipierte Frauen in wichtigen Positionen neben fortbestehenden Rollenklischees des Machismo; ein Abtreibungsverbot, das die Frauen in den abgelegenen Regionen besonders hart trifft; Regierungsstrategien gegen die Armut wie das Programm "Hambre Zero" (Null Hunger) und die alltäglichen Probleme, die entstehen, wenn eine ganz normale Familie unter dem Dach eines kleinen Holzhauses zusammenlebt. Wir erleben mit, wie sich der politisch-reflektierte Blick der Deutschen immer mehr auf die Probleme des Alltags fokussiert und letztendlich bei Kernfragen des Lebens anlangt: Wie können Menschlichkeit und Solidarität ganz praktisch aussehen.
| Termin | 29.05.2011 15:00 |
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| Veranstalter | Kommunales Kino Weiterstadt |
| Ort |
Kommunales Kino Weiterstadt
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| Veranstaltungs-Art | Filmvorführung |
last modified 17.05.2011 12:16