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Bildungsstreik bundesweit

Region: Mainz, Wiesbaden, Bensheim

Bundesweit wollen Schüler, Studierende und Gewerkschafter in der kommenden Woche mit einem »Bildungsstreik« gemeinsam gegen Studiengebühren, Verschulung der Universitäten und das sogenannte Turboabitur, die verkürzte gymnasiale Oberstufe, protestieren. Mit vielfältigen Protesten zwischen dem 15. und 19. Juni sollen Schulen und Universitäten in ganz Deutschland lahmgelegt werden. Für den 17. Juni sind in rund 80 Städten Demonstrationen geplant, zu denen die Organisatoren 150000 Teilnehmer erwarten.

Wann und wo? Bildungsstreik am 17.Juni

Bensheim: 9 Uhr, Bahnhof

Mainz: 10 Uhr, Hauptbahnhof

Wiesbaden: 9.30 Uhr, Hauptbahnhof

Schreiende Zustände an Universitäten
Warum Hochschullehrer den Bildungsstreik unterstützen sollten
Von Peter Grottian und Wolf-Dieter Narr

Das zweite milliardenschwere Konjunkturpaket der Bundesregierung u.a. für Bildung und das jetzt vorgelegte Bund-Länder-Projekt sind gigantische Täuschungsprojekte: Sahne für Handwerkerrechnungen, Kita-Anstriche, Austausch von Klodeckeln und Abdecken von Dächern im Konjunkturprogramm, aber nichts dafür, daß sich die Lehr-Lern-Prozesse in Schulen und Hochschulen substantiell verbessern. Sahne für die Forschungseliten im 18-Milliarden-Programm, aber noch nicht einmal Brosamen für die Masse der Studierenden. Das Milliardenpaket für die Hochschulen hat eine totale Schieflage zugunsten der Forschung und Forschungsinfrastruktur und bringt den Studierenden der Biologie, Germanistik und Architektur keine einzige substantielle Verbesserung. Die vollmundigen 275000 neuen Studienplätze sind das, was man für die doppelten Abiturjährgänge braucht – auch noch mit der rechnerischen Unterstellung, daß die große Mehrheit die Universitäten bitte schön nach sechs Semestern mit dem BA zu verlassen hat. Nichts, aber auch nichts wird für die Studierenden absehbar besser,

– obwohl eigentlich 20000 Tutorenstellen preiswert und notwendig wären

– obwohl 4000 Privatdozenten als Teilzeitprofessoren angestellt werden könnten

– obwohl 8000 bis 10000 neue Professuren eingerichtet werden müßten

– obwohl oft 30 bis 40 Prozent des Lehrpersonals mit Lehraufträgen auf Hartz-IV-Niveau im Semester die Lehre aufrecht erhalten

– obwohl der Mittelbau immer mehr den Sparzwängen geopfert wird und seine eigenständige Funktion längst eingebüßt hat.

(...)

Die schreienden Zustände an Schulen und Hochschulen verlangen ganz andere Maßnahmen – jenseits von Konjunkturstimulantien und einäugiger Eliteforschung. Deshalb ist der Bildungsstreik zu unterstützen und alles zu unternehmen, daß die unverantwortliche Bildungspolitik unter öffentlichen Druck gerät. Der Mut zur Wut im Bildungsstreik wird wachsen, wenn Bildung zur Ödnis verkommt und Banken, Automobilfabriken und Handelsketten milliardenschwer gehätschelt und gepäppelt werden.

Die Politikwissenschaftler Peter Grottian und Wolf-Dieter Narr sind emeritierte Professoren und lehrten am Otto-Suhr-Institut (OSI) der Freien Universität Berlin.

Quelle: Junge Welt, 12.06.2009

 

Termin 17.06.2009 09:00
Veranstalter diverse
Ort Bensheim
Bahnhof
Veranstaltungs-Art Demonstration
Link http://www.bildungsstreik2009.de

 
last modified 13.06.2009 09:24
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Erstellt von Uli Franke mit Plone
Politnetz-Logo by Claudia Lehmann