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Über die Lüge in den Zeiten des Krieges

Wiesbaden: Guernica oder der Beginn des Zweiten Weltkriegs, mit Hannes Heer

Hannes Heer, der Leiter der von 1995-1999 präsentierten Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944“, Autor der Bücher „Vom Verschwinden der Täter – der Vernichtungskrieg fand statt, aber keiner war dabei“ (2004) und „Hitler war´s – die Befreiung der Deutschen von ihrer Vergangenheit“ (2005), hat in der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (Hefte 7/8 und 9 /2009) seine Forschungsergebnisse über die Zerstörung der baskischen Stadt Guernica veröffentlicht und stellt sie an diesem Abend vor.

In der Geschichtsschreibung über die Zerstörung Guernicas am 26. April 1937 dominieren immer noch die Legenden. Nachdem mit Francos Tod die Lüge von der Zerstörung der Stadt durch die Republikaner erledigt war, behaupten einflussreiche Neofranquisten die Alleinschuld der Legion Condor. Deren entscheidende Rolle wird von den deutschen Luftkriegshistorikern nicht geleugnet. Aber sie bestreiten den terroristischen Charakter des Bombardements und bestehen darauf, dass der Angriff das militärische Ziel, eine Straßenbrücke in einem Vorort, verfehlt habe und die Bomben wegen widriger Winde und schlechter Sicht irrtümlich auf das Stadtzentrum gefallen seien. In Italien ist die eigene Beteiligung an dem Angriff kein Thema. Das Stereotyp des „milden Faschismus“ Mussolinis wirkt immer noch. Aufgrund neuer Dokumente aus dem Stab der Legion Condor und der Aussagen italienischer Piloten können erstmals der Ablauf des Bombardements rekonstruiert und dessen Ziele belegt werden:

  1. Test der Waffen und der Reaktionen der Zivilbevölkerung.
  2. Die kampflose Übergabe der baskischen Hauptstadt Bilbao.
  3. Die Weiterentwicklung der Doktrin Giulio Douhets vom „Luftkrieg der Zukunft“ gegen die lebenswichtigen Zentren und die Zivilbevölkerung des Gegners.

Die „Luftwaffendienstvorschrift 16“ aus dem Jahre 1936 enthielt das auf die deutschen Ver hältnisse angepasste Konzentrat dieser völkerrechtswidrigen Kriegsführung. Nach der L. Dv. 16 wurden 1939 Warschau, 1940 Rotterdam, 1941 Belgrad zerstört und der Luftterror gegen Leningrad und Moskau eröffnet. Die deutschen Historiker leugnen bis heute, dass diese Kriegsverbrechen gewollt waren: es habe sich um bedauerliche „Irrtümer“ gehandelt - wie Guernica 1937.

 

Termin 22.04.2010 19:30
Veranstalter Rosa-Luxemburg-Stiftung Hessen
Ort Georg-Buch-Haus
Wellritzstraße 38a, Wiesbaden
Veranstaltungs-Art Informationsveranstaltung

 
last modified 31.03.2010 15:04
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Erstellt von Uli Franke mit Plone
Politnetz-Logo by Claudia Lehmann