"Mein Name ist Victoria. Verschleppt von der Militärjunta"
Frankfurt: Buchvorstellung mit Victoria Donda und Wolfgang Gehrcke
Victoria Donda ist eine der jüngsten Abgeordneten im argentinischen Parlament. Seit vier Jahren weiß sie, dass sie die Tochter eines in der Militärdiktatur "verschwundenen" Paares ist. 500 Kinder von ermordeten Regimegegner/inne/n wurden ihren Familien entrissen und Anhängern, Förderern und Mittätern der Militärdiktatur zur Adoption überlassen.
Anlässlich der Buchmesse, die in diesem Jahr Argentinien zum Schwerpunktthema hat, wird Victoria Donda nach Frankfurt kommen, um ihr Buch "Mein Name ist Victoria. Verschleppt von der Militärjunta" vorzustellen. In ihrem Buch beschreibt sie ihren Lebensweg und ihre Familiengeschichte. Sie beschreibt eine menschenverachtende Militärdiktatur als "Ausgangspunkt einer systematischen und beispiellosen Gewaltwelle, eines Ausrottungsplans der Regierung, der mehr als dreißigtausend Personen, vor allem junge Menschen, das Leben kostete."
Victorias Mutter, María Hilda Pérez de Donda, gehörte zu den hunderten schwangeren Frauen, die verschleppt wurden und die man nach der Geburt ihrer Kinder bei lebendigem Leib aus Militärflugzeugen ins offene Meer warf. Unter dem Namen Analina wuchs Victoria in einer rechts-konservativen Familie auf. Als ihr Vater einen Selbstmordversuch verübt, entdeckt sie die große Lebenslüge der Menschen, die sie bisher für ihre Eltern hielt.
Heute kämpft die Parlamentarierin gemeinsam mit den "Müttern der Plaza de Mayo" für die Aufklärung der Verbrechen und die Bestrafung der Täter, der Massenmörder, der Putschisten.
Wolfgang Gehrcke (MdB, DIE LINKE), der vor Kurzem in Argentinien war und dort mit Vertreterinnen der "Mütter der Plaza de Mayo" und Untersuchungsrichtern der Verschleppungen und Zwangsadoptionen gesprochen hat, wird Victoria Donda und ihr Buch vorstellen.
Unter den Opfern der Diktatur befinden sich auch etwa 100 deutsche Staatsangehörige sowie Kinder jüdischer Migranten aus Deutschland. In einer Anfrage an die Bundesregierung hat Wolfgang Gehrcke Auskunft über die juristische und politische Aufarbeitung der deutschen Verwicklung in die Verbrechen der Putschisten verlangt.
Eines der deutschen Opfer war Elisabeth Käsemann, Entwicklungshelferin und Sozialarbeiterin in den Armenvierteln von Buenos Aires. In ihrem Fall ist exemplarisch belegt, dass die deutschen Behörden und die Bundesregierung wenig unternahmen, um verschleppten deutschen Staatsbürgern in Argentinien zu helfen. Die wirtschaftlichen Beziehungen zu Argentinien, die während der Militärdiktatur sogar massiv ausgebaut wurden, waren offenbar wichtiger. Der Fall Käsemann wird gegenwärtig vor einem argentinischen Gericht untersucht und die Bundesrepublik Deutschland ist Nebenklägerin; so hat die Anfrage der LINKEN in Argentinien einige Aufmerksamkeit erregt.
| Termin | 09.10.2010 18:00 |
|---|---|
| Veranstalter | RLS Hessen |
| Ort |
Türkisches Volkshaus
Werrastraße 25, Frankfurt-Bockenheim (Nähe West-Bahnhof) |
| Veranstaltungs-Art | Informationsveranstaltung |
last modified 30.09.2010 08:01